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Geschichte

Vom Kastell zur Basilika

Gemeinde Boppard vom Fluss

Die Geschichte der St. Severus Basilika reicht weit in die Spätantike zurück. Seit altersher ist der Marktplatz das Zentrum der Stadt. Schon in römischer Zeit errichtete man hier, inmitten des mauerumwehrten Kastells Bodobrica, eine Badeanlage für die Soldaten. An jenem Ort, an dem heute die beiden Westtürme über die Altstadt aufragen, stand im 4. Jahrhundert also das römische Castellum Bodobrica.

Nach dem Abzug der Soldaten und der Auflösung der Garnison verwandelte man im 5. Jahrhundert das Kastellbad in ein Gotteshaus. Vermutlich entstand hier bereits in spätrömischer Zeit eine erste christliche Versammlungsstätte. Das Taufbecken aus dieser frühen Zeit ist bis heute erhalten: Nahe dem Hauptportal erkennt man auf dem Fußboden seine Umrisse. Es wurde 1966 freigelegt und befindet sich in einem Raum unterhalb des Kirchenbodens. Seitdem ist dieser Platz ununterbrochen über 1500 Jahre hinweg Mittelpunkt der christlichen Gemeinde geblieben.

Das Taufbecken in der Basilika Boppard

Karolingische Vorgängerkirche

Im 7. und 8. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine karolingische Saalkirche errichtet, deren Fundamente bei archäologischen Grabungen freigelegt werden konnten. Sie war dem heiligen Severus von Ravenna geweiht, einem Bischof des 4. Jahrhunderts, dessen Reliquien im frühen Mittelalter nach Boppard gelangten. Bis heute ist Severus Schutzpatron der Kirche und der Stadt.

Die heutige St. Severus-Kirche hatte insgesamt zwei Vorgängerkirchen.

Der spätromanische Neubau

Zwischen etwa 1200 und 1240 entstand der heutige Kirchenbau; vollendet wurde die wunderschöne St. Severus-Kirche im Jahr 1236. Sie ist ein markantes Beispiel spätromanischer Baukunst im Rheinland: ein dreischiffiges Gewölbebasilikum mit Querhaus, doppelter Westturmfassade und dreigeschossigem Chor.

Stilistisch steht St. Severus in der Tradition der rheinischen Spätromanik, wie sie auch an der Liebfrauenkirche in Andernach oder dem Limburger Dom zu beobachten ist. Charakteristisch sind die rhythmisch gegliederten Wandflächen, die Rundbogenfriese und das harmonische Verhältnis der Bauglieder zueinander.

Die Gliederung des Kirchenbaus ist vom Markt her besonders gut erkennbar: Ein mächtiges Turmpaar trennt das Langhaus vom dreigeschossigen Chor. Betritt man die Kirche von der Kronengasse durch das architektonisch reich gegliederte Hauptportal, gewinnt man ein eindrucksvolles Bild von dem dreischiffigen, farbig gestalteten Innenraum. Sein Hauptschiff ragt steil auf und wird von drei Spinnengewölben mit je 16 Rippen gekrönt.

Im Inneren ist die ursprüngliche romanische Ausmalung der Gewölbe in weiten Teilen erhalten – ein Glücksfall, der die Basilika zu einem der wichtigsten Zeugnisse mittelalterlicher Wandmalerei in Deutschland macht. Die romanischen Gewölbemalereien zählen zu den bedeutendsten in Deutschland.

Die Wandmalereien im Mittelschiff erzählen die Geschichte des heiligen Severus, des Namenspatrons der Kirche, wie er als armer Wollweber zum Bischof von Ravenna auserwählt wird. Im rechten Seitenschiff finden sich Deckengemälde von Christus und Heiligen.

Ausstattung

Zu den bedeutendsten Kunstwerken zählt das monumentale spätromanische Triumphkreuz aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Es hängt über dem Hauptaltar und zeigt den gekrönten Christus als Sieger über den Tod. Ebenfalls der Erbauungszeit der Kirche zuzuordnen ist die Skulptur der feinsinnig lächelnden, Liebreiz ausstrahlenden Madonna mit Kind und Lilienszepter.

Hinzu kommen die Severus-Tumba, in der die Reliquien des Heiligen verwahrt werden, mittelalterliche Wandbilder, ein spätgotischer Marienaltar und Reste der ursprünglichen Chorschranken.

Die Kirchenfenster stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – mit Ausnahme derjenigen im rechten Seitenschiff, die von einer zeitgenössischen Künstlerin aus Boppard geschaffen wurden.

In die Kirchenrückwand sind mehrere frühchristliche Grabsteine eingelassen, von denen der Armentarius- und der Besontio-Stein die ältesten sind. Sie stammen aus dem 5. beziehungsweise 6. Jahrhundert.

Von der Stiftskirche zur Basilica minor

St. Severus war ursprünglich Stiftskirche eines Kollegiatstifts, das bis zur Säkularisation im Jahr 1802 bestand. 1903 verlieh Papst Leo XIII. der Kirche den Ehrentitel Basilica minor. Seither trägt sie offiziell die Bezeichnung Basilika und gehört zu den wenigen päpstlich ausgezeichneten Kirchen am Mittelrhein.

Restaurierung und Gegenwart

Im 20. Jahrhundert wurde die Basilika in mehreren Etappen restauriert, unter anderem nach Schäden des Zweiten Weltkriegs. Heute ist sie nicht nur Pfarrkirche, sondern auch ein viel besuchter Ort der Stille und ein bedeutendes Denkmal innerhalb des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.